Der erste Tag unserer Reise startete am
frühen Sonntagmorgen, als wir von lautem Hundegebell und dem
Geschimpfe eines älteren Herrn geweckt wurden, er werde sogleich das
Ordnungsamt alarmieren. Armes Bonn. Wir packten recht schnell unser
Zeugs zusammen und machten uns aus dem Staub. Zunächst fuhren wir
mit der Bahn soweit in den Osten wie es unser noch aktives
Studi-Ticket erlaubt, d.h. in die östlichste Stadt
Nordrhein-Westfalens: Höxter! Dort fragten wir uns nach einem
Zeltplatz durch und wurden schließlich direkt am Weserufer fündig.
Das übriggebliebene Grillgut vom Vorabend konnten wir auf dem
Zeltplatzeigenen Grill so noch aufbrauchen, und danach ging's auch
schon ab in die Koje.
Am nächsten Tag starteten wir unser
Vorhaben, von Höxter bis Osterode zu trampen, um von dort aus den
Harzer Hexenstieg zu wandern. Das ehemalige karolingische Kloster
Corvey befindet sich ganz in der Nähe von Höxter, das durften wir
als Geschichtsstudenten natürlich nicht auslassen und so spazierten
wir zunächst an der Weser entlang bis dorthin. Die Anlage ist
wirklich beeindruckend (v.a. das noch erhaltene Westwerk aus dem 9.
Jahrhundert) und einen Besuch wert! Leider löschte Benni während
des Rundgangs alle Fotos von der Kamera, sodass die Bebilderung des
Blogs erst hier einsetzen kann :)
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| Das Kloster Corvey, hier leider ohne das frühmittelalterliche Westwerk |
Weiter ging es bei strahlendem
Sonnenschein entlang der Weser, bis wir zur ersten Landstraße kamen,
an der wir hofften ein Auto zu finden, das uns mitnimmt. Mittlerweile
war es schon drei Uhr nachmittags und wir hatten herausgefunden, dass
es noch 80 km bis Osterode waren, dazu kam, dass es keinen direkten
Weg bis dorthin gibt. So erwarteten wir schon garnicht mehr, noch am
selben Tag anzukommen. Aber ha! Was hatten wir für ein Glück!! Wir
hatten ein Pappschild gebastelt, auf dem „Osterode“ stand und uns
an die Straße gestellt (die leider einen sehr schmalen
Seitenstreifen hatte), das brachte erst einmal wenig, sodass wir nach
ca. einer halben Stunde nur den Daumen raus hielten und ein junger
Kerl anhielt, der uns bis Stadtoldendorf mitnahm. Als wir uns dort
gerade an einem Rewe an die Straße stellen wollten um bis zur nächst
größeren Stadt zu trampen (Einbeck), sprach uns dort eine Frau an,
wo wir denn hinwollten. Es stellte sich heraus, dass sie bis 20 km
vor Osterode fahren wollte und sie nahm uns mit. Sie war sehr nett
und wir unterhielten uns gut mit ihr. In Echte ließ sie uns raus.
Und dort hatten wir besonderes Glück: Kaum hatten wir uns bei einer
Tankstelle an die Straße gestellt, als ein moderner Transporter
anhielt und uns der Fahrer riet, wir sollten uns woanders
hinzustellen. Er prophezeite, das es schwierig werden würde, bis
nach Osterode zu kommen, weil nicht viele Menschen diese Strecke
fahren würden. Spontan bot er uns an, uns bis zum Anfang des
Hexenstiegs zu bringen! Er brachte noch schnell seine Frau nach Hause
und fuhr uns tatsächlich den ganzen Weg bis nach Osterode. Es
stellte sich heraus, dass er der Polizeichef der Gegend war. In
Osterode angekommen wanderten wir ein Stück auf dem Steig und
übernachteten mit unserem Zelt auf einer Wiese oberhalb der Stadt.
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| Geschafft! |
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| Zum Abendessen: Couscous mit Mischgemüse |
Am nächsten Tag liefen wir den
Hexenstieg weiter bis Clausthal, was eine recht hübsche Kleinstadt
mit der größten Holzkirche Deutschlands ist.
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| Blick über den Harz auf der ersten Hexenstieg-Etappe |
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| Die größte Holzkirche Deutschlands |
Wir
deckten uns im Supermarkt mit neuen Vorräten ein, Abends
übernachteten wir recht romantisch direkt am Ufer eines kleinen
Sees.
Am Mittwoch wanderten wir eine sehr
schöne Etappe bis Altenau. Endlich wurde die manchmal doch recht
eintönige Schotterpiste abgelöst durch einen schmalen Pfad, der
sich durch den Fichtenwald schlängelte. In Altenau stärkten wir uns
mit Pommes und Kaffee in einem kleinen netten Imbiss und kaufen genug
Proviant ein, weil wir die nächsten Tage keine Einkaufmöglichkeit
zu erwarten hatten. Quartier bezogen wir in einer Schutzhütte ca. 5
km hinter Altenau. Dort hatten wir einen kleinen Wasserfall vor der
Tür und konnten unsere Wäsche in einer großen Plastiktüte
waschen.
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| Feierabend! |
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| Waschtag! |
In
der Schutzhütte schlief es sich schlecht, was den Vorteil hatte, das
wir sehr früh los kamen und heute ordentlich Kilometer schafften:
die bislang schönste Etappe des Hexenstiegs führte uns nach
Torfhaus, was vermutlich im Winter eine Touri-Hochburg darstellt und
über diverse „Almhütten“, ein Harz-Welcome-Center und einen
Skilift verfügt. Von hier aus sahen wir zum ersten Mal den Brocken,
mit 1142 m den höchsten Berg des Harzes! Bei sehr warmem Wetter
wanderten wir auf dem sogenannten Goetheweg (weil der angeblich bei
seiner ersten Harzreise diesen Weg auf den Brocken genommen haben
soll, um sich dort für seinen Faust inspirieren zu lassen) recht
flott hinauf!
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| Von Altenau bis Torfhaus ... |
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| ... ist es auf dem Hexenstieg schon ziemlich märchenhaft! |
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| Ne Vreni steht im Walde |
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| Ziemliche Hitze, bei 1000m Höhe |
Während der
letzten Tage waren wir immer wieder eine Truppe von älteren Damen
begegnet, die uns dort wieder über den Weg liefen. Es wurde ein
wenig geplaudert und ein Gruppenfoto verlangt.
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| Letzte Begegnung mit dem "Omaklub" nach einem mehrtägigen Wettrennen |
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| Höher geht nicht: Benni auf dem Brocken! |
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| Die Aussicht vom Brocken leider diesig und natürlich auch mit einer günstigen Digicam überhaupt nicht wiederzugeben |
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| Ein von den Tourimassen gezähmter Fuchs auf dem Gipfel des Brocken |
Am Abend ein
geeignetes Plätzchen für unser Zelt zu finden, war nicht einfach.
Überall war es recht steil und zudem von umgestürzten Fichten
übersät. Eine Unwetterwarnung hieß uns unser Zelt direkt vor einer
verschlossenen Skihütte aufbauen, in deren überdachten
Eingangsbereich wir uns hätten verkrümeln können.
Nachts kam dann
auch ein Unwetter in Form eines kurzen, aber heftigen Gewitters!
Unser Zelt hielt aber locker Stand. Zum Glück hatten wir es auf der windabgewandten Seite der Hütte errichtet :)
Am Morgen der Gewitternacht passierte
das, was wir nicht erhofft hatten: Wir wurden vom „Guten Morgen“
des Hüttenwarts geweckt. Nach einem kurzen Schrecken stellte der
sich aber als unkomplizierter Typ heraus, der uns sogar zu einem
Kaffee einlud :)
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| Frühstück an der Skihütte mit Hüttenwart und anderen Wanderern |
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| "Nach dem Essen Zähneputzen nicht vergessen" |
Das Wetter war merklich kühler, aber es war
angenehm zu wandern. Es ging durch das Steinbachtal bis zum ziemlich
altbackenen Ort Königshütte, wo wir uns in einer Gaststätte
gebratene Forelle und Hirschbraten gönnten. Wir stellten später
unser Zelt bei der nahegelegenen Ruine Königsburg auf, von dort
hatte man einen fantastischen Blick auf das Tal.
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| Wo ist der Klabautamann? |
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| Vreni auf dem Trudenstein |
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| Typischer Blick über den Harz |
Der Platz war gut
gewählt, vom Weg in der Nähe nicht zu sehen, schliefen wir recht
lang und ungestört mit anschließendem Frühstück in der Burgruine.
Wir kochten frischen Brennnesseltee, gar nicht mal so schlecht!
Der weitere Weg führte uns ins dunkle Dörfchen Rübeland, wo wir
Vorräte aufstockten. Kurz hinter Rübeland fing es stark an zu
regnen und hörte den ganzen besch***enen Tag nicht mehr auf!! Glück
im Unglück: wir fanden schnell eine zwar dreckige, aber trockene
Hütte, wo wir uns Nudeln kochten und den restlichen Tag verbrachten
um auf ein etwaiges Ende des Regens zu warten, was aber erst am sehr
späten Abend eintraf.
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| Regen, Regen, Regen.... |
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| Zum Glück haben wir anständige Reiselektüre dabei |
Am nächsten Tag entschieden wir uns,
nicht mehr bis nach Thale weiterzulaufen (wäre für einen Tag zu
viel gewesen und vor allem Vreni war schon recht erschöpft). So
trampten wir nach Blankenburg (eine Düsseldorfer Familie nahm uns
mit) und nahmen von dort den Zug nach Leipzig. Als wir abends dort
ankamen, hatten wir aber noch keine Bleibe. Wie es weiterging erfahrt Ihr dann im nächsten Post...