Samstag, 21. Juni 2014

Wwoofen bei Goerlitz

"Was ist Wwoofen?" fragen immer alle. Wwoof steht fuer World-Wide Opportunities on Organic Farms und der daraus abgeleitete Neologismus "wwoofen" ist das freiwillige Mitarbeiten auf einem oekologischen Bauernhof gegen Unterkunft und Verpflegung. Wer will kann sich selber noch etwas schlauer machen auf http://www.wwoof.de/ 
Wir hatten schon vor laengerer Zeit davon gehoert und wollten das seitdem gern mal ausprobieren, zumal wir ja auch so eine Idee vom Leben auf einem Hof mit uns herumtragen. Wwoof ist also die perfekte Gelegenheit, romantische-idyllische Vorstellungen von der Realitaet zu trennen und zu erfahren, was es eigentlich heisst, Landwirtschaft zu betreiben. Wir suchten uns einen Hof aus, der aus dem 19. Jahrhundert stammt und dessen Bewohner, eine sehr nette Familie mit drei Kindern, zu grossen Teilen Selbstversorgung betreiben. Es gab kein heisses Wasser aus der Leitung, dafuer aber einen grossen Kachelofen, ueber den ein Wassertank befeuert werden konnte. Ein- bis zweimal woechentlich war Badetag. An heissen Tagen konnte man sich aber auch sehr gut im Teich hinterm Hof abkuehlen. Auch die Toilette war wie vor 100 Jahren, naemlich ein kleiner Raum im ersten Stock mit einer kleinen Sitzbank, die ein Loch hatte. Einmal dran gewoehnt, vermisst man ueberhaupt nichts mehr :)
Wir lernten viel ueber Obst-, Gemuese- und Kraeuteranbau und ueber Huehner-, Schaf- und Ziegenhaltung sowie ueber das Verarbeiten zahlreicher selbstgewonnener Produkte.


Mittagessen: selbstgebackenes Brot und selbstgemachter Ziegenkaese


Kraeutergarten

Der Badeteich

Unkrautjaeten, darin sind wir jetzt richtig gut :)

Fuetterungszeit


Umtopfen von Wildpflanzen

Die Oberlausitz
Pflanzung von Prachtnelken

Zaunbau

Benni und Heidrun beim melken
Das wwoofen hat uns sehr gut gefallen und wir koennen jedem empfehlen, das auch mal zu machen. Wir hatten eine tolle Zeit!!! 
Nach zwei Wochen ging es abermals weiter Richtung Osten. Direkt hinter Goerlitz ist die polnische Grenze, die wir am 14. Juni ueberschritten. Auf Wiedersehen Deutschland, Dzien Dobry Polska!

Leipzig

Am Sonntag, den 25.5. strandeten wir in Leipzig, ohne eine Ahnung wo wir uebernachten sollten. Die Suche nach einem Internetcafe gestaltete sich in der Innenstadt aeusserst schwierig. Nach langem, erschoepfenden Spaziergang stiessen wir dann schliesslich auf ein autonomes/alternatives Wohnprojekt namens G16, welches von aussen ziemlich heruntergekommen und ranzig aussah (soll wohl das Buergertum draussen halten). Doch direkt nach Betreten des Hofes tat sich eine gemuetliche Szenerie mit Spielplatz, Riesenrobotern, Blumen- und Gemuesebeeten und einigen Hunden auf. Mittendrin sass ein Haufen Punks, von denen wir sogleich aufgefordert wurden, uns etwas zu trinken zu nehmen und mit "Knak" zu spielen, einem recht kurzweiligen Kartenspiel. Gesagt, getan, und unsere ganz beilaeufige Frage waehrend des Zockens nach einer Schlafmoeglichkeit fiel auf fruchtbaren Boden: man bot uns den Backstageraum des Projekteigenen Konzertsaales an, der zu unserer grossen Ueberraschung sehr sauber und super ausgestattet war. Sogar eine Dusche gab's! Welch Luxus!

Der Backstageraum des G16 - vorzeigbar!


Seiteneingang G16

In Leipzig kann man sich austoben

...besonders wenn man mit Schweissgeraeten umgehen kann! :)

Plagwitz

Am folgenden Tag erkundeten wir die Stadt, fanden ein Internetcafe, schrieben zwecks weiterer Uebernachtungen in Leipzig einige Leute ueber Couchsurfing an und bekamen sogar zwei Zusagen. So konnten wir fuenf weitere Naechte in dieser Stadt bleiben und uns in Ruhe alles ansehen. Leipzig "fetzt", wie die Eingeborenen dort sagen. Es ist wirklich eine schoene Stadt, echt krass ist allerdings der massenhafte Leerstand ganzer Strassenzuege. Dadurch ist das Mietniveau sehr niedrig, was viele junge Leute anzieht. Das wiederum sorgt fuer good vibrations an jeder Ecke (und besonders in den Stadtteilen Plagwitz und Connewitz fuer eine sehr grosse alternative Szene) und wir fuehlten uns pudelwohl.

Rheinisch Kochen mit Nadin, unserer ersten Couchsurfing-Gastgeberin: Himmel un Aeaed :)

Einer der X Kanaele in Leipzig

Konsum 2.0: Hier entsteht in Kuerze Ihr neues Saufland
Der letzte Abend verschwommen: Party im G16
Nach einer knappen Woche hatten wir dennoch genug und es ging weiter Richtung Osten. Wieder  versuchten wir unser Glueck per Anhalter, und wieder war es kein Problem. Von der Autobahnauffahrt nahm uns ein junger Familienvater mit bis zur naechsten Autobahnraststaette, wo wir nach ca. einer halben Stunde von einer polnischen Frau auf dem Weg in die Heimat bis nach Goerlitz mitgenommen wurden. Hier wuerden wir die naechsten zwei Wochen auf einem kleinen Selbstversorgerbauernhof wwoofen. Was das eigentlich genau ist und wie das so war, erfahrt Ihr - ratet mal - beim naechsten Eintrag :)

Warten auf den naechsten Autostopp an einem Rastplatz kurz hinter Leipzig