Mittwoch, 28. Mai 2014

Der Harzer Hexen-Stieg

Der erste Tag unserer Reise startete am frühen Sonntagmorgen, als wir von lautem Hundegebell und dem Geschimpfe eines älteren Herrn geweckt wurden, er werde sogleich das Ordnungsamt alarmieren. Armes Bonn. Wir packten recht schnell unser Zeugs zusammen und machten uns aus dem Staub. Zunächst fuhren wir mit der Bahn soweit in den Osten wie es unser noch aktives Studi-Ticket erlaubt, d.h. in die östlichste Stadt Nordrhein-Westfalens: Höxter! Dort fragten wir uns nach einem Zeltplatz durch und wurden schließlich direkt am Weserufer fündig. Das übriggebliebene Grillgut vom Vorabend konnten wir auf dem Zeltplatzeigenen Grill so noch aufbrauchen, und danach ging's auch schon ab in die Koje.
Am nächsten Tag starteten wir unser Vorhaben, von Höxter bis Osterode zu trampen, um von dort aus den Harzer Hexenstieg zu wandern. Das ehemalige karolingische Kloster Corvey befindet sich ganz in der Nähe von Höxter, das durften wir als Geschichtsstudenten natürlich nicht auslassen und so spazierten wir zunächst an der Weser entlang bis dorthin. Die Anlage ist wirklich beeindruckend (v.a. das noch erhaltene Westwerk aus dem 9. Jahrhundert) und einen Besuch wert! Leider löschte Benni während des Rundgangs alle Fotos von der Kamera, sodass die Bebilderung des Blogs erst hier einsetzen kann :)

Das Kloster Corvey, hier leider ohne das frühmittelalterliche Westwerk

 Weiter ging es bei strahlendem Sonnenschein entlang der Weser, bis wir zur ersten Landstraße kamen, an der wir hofften ein Auto zu finden, das uns mitnimmt. Mittlerweile war es schon drei Uhr nachmittags und wir hatten herausgefunden, dass es noch 80 km bis Osterode waren, dazu kam, dass es keinen direkten Weg bis dorthin gibt. So erwarteten wir schon garnicht mehr, noch am selben Tag anzukommen. Aber ha! Was hatten wir für ein Glück!! Wir hatten ein Pappschild gebastelt, auf dem „Osterode“ stand und uns an die Straße gestellt (die leider einen sehr schmalen Seitenstreifen hatte), das brachte erst einmal wenig, sodass wir nach ca. einer halben Stunde nur den Daumen raus hielten und ein junger Kerl anhielt, der uns bis Stadtoldendorf mitnahm. Als wir uns dort gerade an einem Rewe an die Straße stellen wollten um bis zur nächst größeren Stadt zu trampen (Einbeck), sprach uns dort eine Frau an, wo wir denn hinwollten. Es stellte sich heraus, dass sie bis 20 km vor Osterode fahren wollte und sie nahm uns mit. Sie war sehr nett und wir unterhielten uns gut mit ihr. In Echte ließ sie uns raus. Und dort hatten wir besonderes Glück: Kaum hatten wir uns bei einer Tankstelle an die Straße gestellt, als ein moderner Transporter anhielt und uns der Fahrer riet, wir sollten uns woanders hinzustellen. Er prophezeite, das es schwierig werden würde, bis nach Osterode zu kommen, weil nicht viele Menschen diese Strecke fahren würden. Spontan bot er uns an, uns bis zum Anfang des Hexenstiegs zu bringen! Er brachte noch schnell seine Frau nach Hause und fuhr uns tatsächlich den ganzen Weg bis nach Osterode. Es stellte sich heraus, dass er der Polizeichef der Gegend war. In Osterode angekommen wanderten wir ein Stück auf dem Steig und übernachteten mit unserem Zelt auf einer Wiese oberhalb der Stadt.

Geschafft! 
Zum Abendessen: Couscous mit Mischgemüse

Am nächsten Tag liefen wir den Hexenstieg weiter bis Clausthal, was eine recht hübsche Kleinstadt mit der größten Holzkirche Deutschlands ist.


Blick über den Harz auf der ersten Hexenstieg-Etappe
Die größte Holzkirche Deutschlands




Wir deckten uns im Supermarkt mit neuen Vorräten ein, Abends übernachteten wir recht romantisch direkt am Ufer eines kleinen Sees.


Am Mittwoch wanderten wir eine sehr schöne Etappe bis Altenau. Endlich wurde die manchmal doch recht eintönige Schotterpiste abgelöst durch einen schmalen Pfad, der sich durch den Fichtenwald schlängelte. In Altenau stärkten wir uns mit Pommes und Kaffee in einem kleinen netten Imbiss und kaufen genug Proviant ein, weil wir die nächsten Tage keine Einkaufmöglichkeit zu erwarten hatten. Quartier bezogen wir in einer Schutzhütte ca. 5 km hinter Altenau. Dort hatten wir einen kleinen Wasserfall vor der Tür und konnten unsere Wäsche in einer großen Plastiktüte waschen.

Feierabend!

Waschtag!
In der Schutzhütte schlief es sich schlecht, was den Vorteil hatte, das wir sehr früh los kamen und heute ordentlich Kilometer schafften: die bislang schönste Etappe des Hexenstiegs führte uns nach Torfhaus, was vermutlich im Winter eine Touri-Hochburg darstellt und über diverse „Almhütten“, ein Harz-Welcome-Center und einen Skilift verfügt. Von hier aus sahen wir zum ersten Mal den Brocken, mit 1142 m den höchsten Berg des Harzes! Bei sehr warmem Wetter wanderten wir auf dem sogenannten Goetheweg (weil der angeblich bei seiner ersten Harzreise diesen Weg auf den Brocken genommen haben soll, um sich dort für seinen Faust inspirieren zu lassen) recht flott hinauf!

Von Altenau bis Torfhaus ...
... ist es auf dem Hexenstieg schon ziemlich märchenhaft!
Ne Vreni steht im Walde
Ziemliche Hitze, bei 1000m Höhe
Während der letzten Tage waren wir immer wieder eine Truppe von älteren Damen begegnet, die uns dort wieder über den Weg liefen. Es wurde ein wenig geplaudert und ein Gruppenfoto verlangt.

Letzte Begegnung mit dem "Omaklub" nach einem mehrtägigen Wettrennen
Höher geht nicht: Benni auf dem Brocken!
Die Aussicht vom Brocken leider diesig und natürlich auch mit einer günstigen Digicam überhaupt nicht wiederzugeben
Ein von den Tourimassen gezähmter Fuchs auf dem Gipfel des Brocken
 Am Abend ein geeignetes Plätzchen für unser Zelt zu finden, war nicht einfach. Überall war es recht steil und zudem von umgestürzten Fichten übersät. Eine Unwetterwarnung hieß uns unser Zelt direkt vor einer verschlossenen Skihütte aufbauen, in deren überdachten Eingangsbereich wir uns hätten verkrümeln können.
Nachts kam dann auch ein Unwetter in Form eines kurzen, aber heftigen Gewitters! Unser Zelt hielt aber locker Stand. Zum Glück hatten wir es auf der windabgewandten Seite der Hütte errichtet :)
Am Morgen der Gewitternacht passierte das, was wir nicht erhofft hatten: Wir wurden vom „Guten Morgen“ des Hüttenwarts geweckt. Nach einem kurzen Schrecken stellte der sich aber als unkomplizierter Typ heraus, der uns sogar zu einem Kaffee einlud :) 

Frühstück an der Skihütte mit Hüttenwart und anderen Wanderern
"Nach dem Essen Zähneputzen nicht vergessen"
Das Wetter war merklich kühler, aber es war angenehm zu wandern. Es ging durch das Steinbachtal bis zum ziemlich altbackenen Ort Königshütte, wo wir uns in einer Gaststätte gebratene Forelle und Hirschbraten gönnten. Wir stellten später unser Zelt bei der nahegelegenen Ruine Königsburg auf, von dort hatte man einen fantastischen Blick auf das Tal.

Wo ist der Klabautamann?
Vreni auf dem Trudenstein
Typischer Blick über den Harz



Der Platz war gut gewählt, vom Weg in der Nähe nicht zu sehen, schliefen wir recht lang und ungestört mit anschließendem Frühstück in der Burgruine. Wir kochten frischen Brennnesseltee, gar nicht mal so schlecht!
Der weitere Weg führte uns ins dunkle Dörfchen Rübeland, wo wir Vorräte aufstockten. Kurz hinter Rübeland fing es stark an zu regnen und hörte den ganzen besch***enen Tag nicht mehr auf!! Glück im Unglück: wir fanden schnell eine zwar dreckige, aber trockene Hütte, wo wir uns Nudeln kochten und den restlichen Tag verbrachten um auf ein etwaiges Ende des Regens zu warten, was aber erst am sehr späten Abend eintraf.

Regen, Regen, Regen....


Zum Glück haben wir anständige Reiselektüre dabei
Am nächsten Tag entschieden wir uns, nicht mehr bis nach Thale weiterzulaufen (wäre für einen Tag zu viel gewesen und vor allem Vreni war schon recht erschöpft). So trampten wir nach Blankenburg (eine Düsseldorfer Familie nahm uns mit) und nahmen von dort den Zug nach Leipzig. Als wir abends dort ankamen, hatten wir aber noch keine Bleibe. Wie es weiterging erfahrt Ihr dann im nächsten Post...

3 Kommentare:

  1. Ich wünsche euch beiden noch echt viel Spaß. ;)
    Liebe Grüße
    Lisa

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  2. Oh man, wie krass ist das denn. Die andereren Wandrerer an der Skihütte sind meine Tante, mein Couisin und dessen Tante. Normalerweise krachsel ich mit den auch durch den Harz :-) Ja die Hinübers sind halt ein umtriebiges Völkchen, genau so wie die Krotts. Gruß vom G

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  3. Ihr gottverdammten Hippies!!!
    Weiter so, bin sehr gespannt :)

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